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Eisenmangel-Depression

Leseprobe aus dem neuen Buch: „Das unterschätzte Element – die Wiederentdeckung des Eisenmangelsyndroms“.

 

Depression ist eine Zivilisationskrankheit. Es lohnte sich gewiss, darüber nachzudenken, weshalb ausgerechnet in den reichen Ländern unseres Planeten so viele Menschen depressiv werden und weniger in den von Armut gezeichneten Gegenden, in denen es wohl allen Grund gäbe, traurig zu sein. Ein besonders deutliches Signal für die Brisanz dieser Tatsache ist, dass in der reichen Welt inzwischen mehr Menschen durch Suizid zu Tode kommen als durch Verkehrsunfälle. Die gesellschaftspolitischen Ursachen dafür sind indes nicht Gegenstand dieses Buches. Bleiben wir also bei den individuellen Aspekten dieses Leidens.

 

Wer aufgrund eines nachvollziehbaren Ereignisses (Tod eines nahen Angehörigen, Verlust des Arbeitsplatzes usw.) depressiv wird, dessen Zustand beschreibt man bekanntlich als reaktive Depression.

 

Viele, vielleicht sogar die meisten depressiven Patienten leiden jedoch an einer so genannten endogenen Depression.Mit dem Attribut endogen (von innen kommend) wird eigentlich nur die Tatsache verdeckt, dass den Psychiatern die Ursachen dieses psychischen Leidens noch unbekannt sind. Es ist klar, dass auf der Basis dieses Nichtwissens selbstredend eine ursächliche Behandlung von vornherein unmöglich ist. Es mag wohl gelingen, mit Hilfe einer Psychotherapie das Befinden der betreffenden Patienten zu verbessern, indem diese lernen, mit belastenden Faktoren besser umzugehen. Nicht selten lässt das aber der schlimme Zustand der Betreffenden gar nicht zu. Dann greifen die Ärzte in der Regel zu dem einzigen Hilfsmittel, über das sie derzeit verfügen – sie verschreiben antidepressive Psychopharmaka.

 

Ein neues Licht auf die Möglichkeiten antidepressiver Therapie wirft die Erkenntnis, dass mitunter auch ein Eisenmangel depressiv macht. In einem solchen Fall kommt die Depression zwar auch von innen – zumindest zum großen Teil -, aber es tut sich ein nachvollziehbarer ursächlicher Zusammenhang auf: Wenn aufgrund eines Eisendefizits zu wenig Glückshormon gebildet wird, kann dadurch eine depressive Verstimmung ausgelöst werden. Dies auch dann, wenn die Familie gesund ist, der Job sicher zu sein scheint und die Arbeit Spaß macht; auch dann, wenn das Geld reicht und die Wohnung gefällt. Dennoch können – für Aussenstehende meist völlig unbegreiflich – diese Patienten depressiv werden. Und: Sie können durch Eisengaben auch wieder gesund werden. Hunderte gut dokumentierter Behandlungen belegen das. Vor diesem gesicherten Hintergrund lässt sich also sagen:

 

Wenn ein depressiver Mensch mit leeren oder nahezu leeren Eisenspeichern durch eine entsprechende Substitutionstherapie wieder gesund wird, dann handelte es sich eindeutig um eine Eisenmangel-Depression.

 

Somit könnte dieser Begriff durchaus in die medizinische Enzyklopädie aufgenommen werden: Eisenmangel-Depression (Iron Deficiency Depression IDD).Der Begriff der endogenen Depression sollte dann folglich nur noch für jene Depressions-Arten reserviert bleiben, bei denen man bisher wirklich nicht weiss, woher sie kommen.

6 Kommentare

  1. vanessa 9. April 2014

    Ich habe eine frage..
    Habe nun zu dem Thema viel.geforscht und konnte immer nur lesen das die endogene Depression durch einen eisenmangel bedingt ist. Jedoch.frage ich mich ob es nicht.auch sein kann das.die reaktive Depression durch einen eisenmangel auch begünstigt wird? Würde mir logisch.erscheinen

  2. Sabine 8. August 2013

    Soweit ich weiß, ist das Thema durchaus umstritten. Was man Betroffenen empfehlen kann, welche die Vermutung haben an Eisenmangel-Depressionen zu leiden, wäre ein Check ob noch weitere typische Anzeichen für einen Eisenmangel vorhanden sind: http://www.eisenhaltigelebensmittel.org/eisenmangel-symptome.php

    Eine vorschnellen Selbstdiagnose sollte man meiden.

  3. Dani Kauke 31. Januar 2011

    Zusätzlich zu Eisengaben über Ernährung und Eisentabletten oder alternativ kann man sich Eiseninfusionen geben lassen. Hier der Vorteil, dass es gleich ins Blut geht, keine Verstopfung verursacht und die Auffüllung des Speichers gut nachvollzogen werden kann.

  4. Eclipse 14. Mai 2010

    Das Eisenmangel schwer depressiv macht, kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen. Aber was soll man machen, wenn man den Eisenmangel, trotz eisenhaltiger Ernährung und Eisentabletten nicht mehr los bekommt? Antidepressive Psychopharmaka scheint ja wohl nicht das geeignetste dagegen zu sein.

  5. Stefanie Schütz 11. Mai 2010

    Habe eine Eisenmangel-Depression gerade hinter mir.
    Durch Zufall wurde bei mir ein Eisenmangel festgestellt, als ich Blutspenden wollte. Diese Diagnose erklärte mir dann auch meine seit Wochen schwache körperliche Konstitution, vor allem depressive Stimmung.
    Durch diesen Internetbeitrag erfuhr ich, dass meine Depression mit dem Eisenmangel in Verbindung steht.
    Ich danke Ihnen dafür, denn meine Umwelt hätte mich eher zum Psychiater geschickt, als zum Hausarzt für ein Blutbild : )
    Inzwischen geht es mir, dank verordneter Eisentabletten wieder physisch und psychisch sehr gut

  6. PPA 20. April 2009

    Wo gibt es das Buch zu kaufen? Mich würde der ganze Text sehr interessieren. Auf Ihrem Portal mit Medien und Filmen habe ich es leider nicht gefunden.

    MfG, PPA

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