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Eisenausgleich als Antwort auf die Menstruation

Die Menstruation ist ein Phänomen, das wir bislang kaum verstehen. Aus Sicht der Frau ist sie ein störendes Übel, das zu Eisenmangel führen kann. Den Männern ist sie egal. Wie sollen wir die Menstruation in der Schulmedizin einordnen?

Die jahrelangen Erfahrungen in der Behandlung des Eisenmangelsyndroms beim weiblichen Geschlecht haben es immer wieder bestätigt: Besonders gefährdet, unter dieser Mangelkrankheit zu leiden, sind Frauen im Menstruationsalter. Die monatlichen Blutungen des Uterus zur Sicherung der Gebärfähigkeit senken regelmäßig ihren Ferritinspiegel; denn auf diese Weise kommt es alle 28 Tage zu einem bedenklichen Eisenleck. Zusammengezählt blutet eine gebärfähige Frau etwa fünf bis sieben Jahre lang. Bildlich gesprochen handelt es sich quasi um einen Wegezoll, den die Frauen entrichten müssen. Man kann sich leicht ausrechnen, welcher Bedarf an Nachschub dadurch bei diesem für alle Körperfunktionen so wichtigen Element entsteht.

Sicherlich hat aber die Evolution auch dies „bedacht“ und längst Möglichkeiten geschaffen, wie dieser über längere Zeit immer wieder entstehende Verlust kompensiert werden kann. Nur kennen wir diese nicht oder aber haben sie wieder vergessen – wie so manches, was unsere Altvorderen noch wussten und einige heute noch existierenden Naturvölker wissen. Schließlich hat sich die Gattung Homo sapiens in den letzten Jahrtausenden, vor allem aber in den jüngsten Jahrhunderten im Rahmen ihrer Zivilisation schon relativ weit von der Natur und deren raffinierten Regulierungs- und Reparaturmechanismen entfernt. „Dummerweise“ richtete die sich parallel dazu entwickelnde Wissenschaft ihr Hauptaugenmerk vor allem, wenn nicht sogar ausschließlich, auf die Kompensation der dadurch entstandenen Schäden und nicht, wie es erforderlich wäre, auf die Ursachen. Und das tut sie bis heute.

Fragen nach den Ursachen von Erscheinungen und Abläufen in der Realität sind von jeher die interessantesten. Dies ist auch beim Phänomen Eisenmangel der Fall. Indes sind solche Fragen immer auch vielschichtig, und ihre Beantwortung verlangt von uns meist, eine bestimmte Rang- und Reihenfolge festzulegen. Aus der Sicht des behandelnden Arztes, der sich bemüht (und es dadurch gewohnt ist), nicht nur Symptome zu bekämpfen, sondern zu den Ursachen vorzudringen, um diese zu beseitigen, rangiert auf dem ersten Platz selbstverständlich zunächst erst einmal das Erkennen, ob bzw. dass bestimmte Beschwerdebilder auf Eisenmangel zurückgeführt werden können und sich deshalb mit einer Substitution erfolgreich behandeln lassen (intravenöser Eisenausgleich).

Die erste, aktuell wichtigste Etappe der Suche nach den Ursachen für viel Leid, vor allem eben von Frauen, ist damit weitgehend abgeschlossen. Die zwingenden Schlussfolgerungen daraus sind allerdings bei weitem noch nicht überall gezogen und verlangen noch erhebliche Anstrengungen, vor allem aber eine breite Aufklärung – wie in der Schweiz seit 2005.

Vor diesem Hintergrund tauchen jedoch bereits zwei weitere Aspekte der Ursachenfrage auf: Der erste ergibt sich aus der Tatsache, dass die Gattung Homo sapiens nach aller bisherigen Erfahrung der Zoologen das einzige „Zoon“ ist, dessen weibliches Geschlecht diese im Mondphasenrhythmus verlaufende Blutung aufweist. Bisher ist noch von niemandem herausgefunden worden, warum das so ist. Zudem ist es auch noch nicht geklärt, ab wann in der Entwicklung, welche die Primaten zum Menschen durchgemacht haben, diese für viele unangenehme Begleiterscheinung der Gebärfähigkeit erstmals aufgetreten ist. Es wäre ferner nicht uninteressant herauszufinden, ob diese biologische Neuerung für die soziale Evolution der frühen Menschen Folgen hatte und welche das waren. Derartige Auswirkungen könnten sich bis hin zu jenen Organisationsstrukturen unserer (politischen!) Gattung (zoon politikon) ergeben haben, denen die Geschichtswissenschaft die Begriffe Matriarchat bzw. Patriarchat zugeordnet hat. Dabei ist noch längst nicht klar, ob die Besonderheit „Menstruation“ beim weiblichen Geschlecht nun Ursache oder Folge dieser gesellschaftsbildenden Prozesse war.

Der zweite angedeutete Aspekt der Ursachenfrage dürfte von so manchem etablierten Wissenschaftler und Mediziner womöglich als eine reine Spekulation angesehen und deshalb einfach abgetan werden. Indes könnte es sicherlich niemandem schaden, darüber einmal länger nachzudenken. Dieser Aspekt kommt nämlich immer dann ins Spiel, wenn wir registrieren müssen, dass sich die Wartezimmer der Arztpraxen, speziell der Ärztlichen Eisenzentren, immer mehr mit Patientinnen füllen, die über Symptome klagen, welche den Verdacht aufkommen lassen, auf Eisenmangel zu beruhen, und dann durch die diagnostisch funktionierende Erstlinien-Therapie mit Eisengaben auch als solche identifiziert werden. Jeder ernsthafte Beobachter dieser offenkundig steigenden Tendenz, der nicht ein ausgemachter Zufallsapostel sein möchte, muss sich fragen, warum gerade in jüngster Zeit immer mehr Frauen ihren Eisenmangel endgültig loswerden wollen, nachdem sie über ebendiesen aufgeklärt wurden. Immerhin hat es doch den von der Natur verordneten monatlichen Blutverlust schon seit jeher gegeben. Könnte es also nicht durchaus sein, dass die wachsende Rolle der Frauen in der Gesellschaft, die doch kaum mehr geleugnet werden kann, den bisherigen Umfang des menstruationsbedingten Eisenverlustes einfach nicht mehr verkraften kann? Könnte dies vielleicht auch erklären, warum die betroffenen Frauen besagtes Handicap in zunehmendem Maße als deutlich hemmend spüren (siehe vor allem die rasante Zunahme des Erschöpfungssyndroms bei Frauen dieses Alters!) und deshalb nicht länger tolerieren wollen? Dann aber gewönne eine bisher rein medizinische Angelegenheit zunehmend politische Bedeutung mit allen ihren – vorerst zumindest für die Krankenkassen relevanten – Konsequenzen für die Bewahrung des sozialen Friedens in der Gesellschaft. Ein Nachdenken darüber, auch seitens der Fraktion der Zweifler, ist gefragt, bitter notwendig und sehr willkommen. Dies nicht etwa nur in der kleinen Schweiz, die auf diesem Gebiet, zum Glück und bei aller gebotenen Bescheidenheit, schon mehr als nur ein wenig vorangeht.

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